Der Südsudan steckt in einer tiefen humanitären und wirtschaftlichen Krise, die sich Jahr für Jahr verschärft. Gewalt, politische Unsicherheit und extreme Wetterereignisse haben das Land an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Der anhaltende Konflikt im benachbarten Sudan verschlimmert die Lage zusätzlich: Zehntausende Menschen fliehen über die Grenze, während Südsudan selbst kaum in der Lage ist, die eigene Bevölkerung zu versorgen. Überschwemmungen haben weite Teile des Landes unbewohnbar gemacht und die landwirtschaftliche Produktion fast vollständig zerstört.

Die wirtschaftliche Situation ist dramatisch. Der Zusammenbruch der Ölexporte infolge des Krieges im Norden hat den Südsudan in eine tiefe Rezession gestürzt. Hyperinflation und Währungsverfall treiben die Preise für Lebensmittel in unvorstellbare Höhen – Grundnahrungsmittel kosten bis zu 95 Prozent mehr als im Vorjahr. Viele Familien können sich kaum noch eine Mahlzeit am Tag leisten. Laut UN-Prognosen werden über zwei Millionen Kinder im Jahr 2025 von akuter Unterernährung betroffen sein. Gleichzeitig wächst die Gefahr neuer Überschwemmungen, die bereits Millionen Menschen obdachlos gemacht und Krankheiten wie Cholera und Malaria verbreitet haben.

Auch politisch steht das Land vor einem Wendepunkt. Das fragile Friedensabkommen, das den Bürgerkrieg 2018 beendete, läuft Anfang 2025 aus. Wachsende Spannungen zwischen rivalisierenden Gruppen drohen, das Land erneut in Gewalt zu stürzen. Sollte es dazu kommen, wären Millionen weitere Menschen gezwungen, zu fliehen – in ein Land, das schon jetzt kaum in der Lage ist, seine Bevölkerung zu ernähren oder medizinisch zu versorgen.

Adiyuva unterstützt im Südsudan gemeinsam mit lokalen Partnerinnen und Partnern sowohl Geflüchtete als auch die aufnehmenden Gemeinden. In den Grenzregionen errichten wir Notunterkünfte und stellen sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittel und medizinische Basisversorgung bereit. Besonders gefährdete Gruppen – darunter Kinder, Schwangere und ältere Menschen – erhalten gezielte Unterstützung durch mobile Gesundheitsteams und Ernährungsprogramme.

Darüber hinaus arbeitet Adiyuva mit Dorfgemeinschaften an klimafesten Lösungen: Wir fördern die Wiederherstellung landwirtschaftlicher Flächen, den Bau von erhöhten Brunnen und Schulungen zu nachhaltiger Bewirtschaftung, um Menschen besser auf Überschwemmungen und Dürren vorzubereiten. Gleichzeitig unterstützen wir lokale Initiativen, die Bildung und den sozialen Zusammenhalt stärken – denn in einem Land, das über Jahre von Krieg und Naturkatastrophen gezeichnet wurde, sind Vertrauen und Gemeinschaft die wichtigsten Grundlagen für Erneuerung.

Adiyuvas Arbeit im Südsudan verbindet akute Nothilfe mit langfristigem Wiederaufbau. Unser Ziel ist es, Menschen inmitten von Unsicherheit und Armut eine Perspektive zu geben – damit aus Überleben wieder Leben werden kann.

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